vom 10. Januar 2007 in Kurse, Neues | Kommentar schreiben

DEKALOG – DIE ZEHN GEBOTE

Ein Jahr - Ein Thema

Wochenende für Wochenende sind in unserem Jugendhaus Kurse und Veranstaltungen. Dies wird auch im nächsten Jahr so sein. Anders wird aber sein, dass wir mit Euch zusammen ein ganzes Jahr an einem Thema festhalten wollen. Natürlich haben dann nicht alle Kurse den gleichen Inhalt. Die ZEHN Gebote werden uns aber als Oberthema, wie an einem Roten Faden, durch 2007 führen.

ZEHN Gebote - ZEHN Künstler(innen)

Dazu gehört eine Ausstellung im BTH, wo die ZEHN Gebote von ZEHN verschiedenen Leuten künstlerisch dargestellt bzw. interpretiert worden sind. In einer Miniaturansicht siehst Du die Bilder schon auf dem Deckblatt. Beim Zwischen-Den-Festen-Kurs wird die Ausstellung eröffnet. Mehr zu den ZEHN Künstlern erfährst Du dann im nächsten TETERÃ". Dies ist der Anfang des Themas.

Ein "Fest des Bundes" im BTH

Beenden wollen wir den DEKALOG im Dezember 2007 (drittes Adventswochenende - bitte schon mal reservieren) mit dem "Fest des Bundes" (mehr Infos dazu stehen in der Bibel). Wie das dann genau aussehen wird, wissen wir natürlich jetzt noch nicht. Auf jeden Fall kannst Du uns dabei mit Deinen Ideen und natürlich auch Deiner Anwesenheit gerne unterstützen.

Dekalog-Veranstaltungen 2007

Da wir auch optisch diesen Roten Faden verdeutlichen wollen, gibt es für 2007 nicht wie sonst zwei Halbjahrespläne in Plakatform, sondern ein Plakat für das ganze Jahr. Auf diesem Plakat (erhältlich im BTH und sichtbar z.B. in allen Gemeinden Mecklenburgs) sind alle DEKALOG-Veranstaltungen gekennzeichnet und näher beschrieben, zu welchen Gebot(en) sie thematisch gedacht sind. Natürlich meint dies nicht, dass man nur alle oder keine besuchen kann. Ganz im Gegenteil: es wird niemanden gelingen bei allen dabei zu sein. Dies erklärt das Plakat. Auch hier im TETERÃ" sind die DEKALOG-Veranstaltungen mit der "ZEHN" markiert. Inhaltlich sollst Du schon jetzt einen thematischen Abriss bekommen. Jugendpfarrer Dietmar Wellenbrock schreibt seine Assoziationen zum DEKALOG folgend.
(Stefan Hage)

Was wollen die ZEHN Gebote?

von Jugendpfarrer Dietmar Wellenbrock

Wenn wir die ZEHN Gebote hören, denken wir (zumindest ich) zuerst an Sr. M. Ines aus Dreilützow, bei der ich meinen Religionsunterricht hatte und natürlich auch die Zehn Gebote auswendig lernen musste - die Zehn Gebote fand ich als kleiner Junge schon sehr "beeindruckend" und dies wurde durch eine gewisse Strenge meiner lieben Religionsschwester Ines auch noch verstärkt.
Nun nehmen wir uns dieser Gebote als Jahresthema im BTH an. Wollen wir Euch damit schocken und Euch erst einmal wieder "Zucht und Ordnung" beibringen? Nichts dergleichen! - Was wollen die ZEHN Gebote?

Der Dekalog, der im Alten Testament (AT) zweimal mit gewissen Unterschieden überliefert ist, entstand wahrscheinlich im 8./7. Jahrhundert v. Chr. als standesgemäße Auswahl verschiedener Weisungen für den erwachsenen israelitischen Vollbürger. Seine Forderungen umfassen große Lebensbereiche ("Gottesrechte" und "Menschenrechte"). Dennoch bildet er nicht einfach das Konzentrat biblischer Ethik, da für das AT wichtige Bereiche (Gottesdienst, Wirtschaft, das Verhalten zu sozial Schwachen) nicht oder kaum angesprochen werden.
Die Bedeutung des Dekalogs im AT zeigt sich daran, dass er als der Grundtext der Bundesurkunde verstanden wurde, auf die Jahwe sein Volk am Sinai verpflichtet hat.

Das Thema des Dekalogs ist Freiheit und die Bewahrung dieser: Der Prolog nennt das Thema: Jahwe hat Israel aus Ã"gypten, dem Sklavenhaus, befreit und ihm Leben geschenkt. Freiheit heißt konkret: ein Land mit dem Genuss seiner Früchte, Freiheit von Zwangsarbeit in der Gemeinschaft des Jahwevolkes.

Der Dekalog ist die "Verpflichtung der Freigewordenen, nunmehr selbst an der Befreiungsgeschichte mitzuwirken", wie einmal ein Professor des AT gesagt hat. Die ersten "Worte" des Dekalogs sichern das Verhältnis zu Jahwe, dem Garanten der Freiheit: ausschließliche Verehrung, Bilderverbot, Missbrauch des Jahwenamens, Achtung der religiösen Überlieferung. Die weiteren Regeln das Verhältnis untereinander: das Lebensrecht der älteren Generation, den Schutz des Lebens und der Lebenssphäre (Ehefrau, Haus, Eigentum) und das Verbot der falschen Zeugenaussage bei Gericht. Alle Weisungen sind an die Voraussetzung der Erlösung oder Befreiung durch Gott gebunden.

Die Gebote des Dekalogs haben noch eine andere Konsequenz: Der Gehorsam zum Gebot ist Antwort auf Gottes rettendes Handeln. Nicht die Verpflichtung steht am Anfang, sondern die Erfahrung der Güte Gottes. Nur einer, der das erfahren hat, kann selbst anders und befreiend handeln.

Gottes Rettung motiviert zu einer neuen Praxis, einem neuen inhaltlicher Maßstab: so zu handeln, wie Gott selbst handelt. "Seid heilig, denn ich, der Herr, euer Gott, bin heilig" (Lev 19,2). Leben nach den Weisungen des Dekalogs heißt zuallererst: sich auf Gottes Tun einlassen, an ihm sein Leben zu orientieren. Gottes Rettung fordert die Antwort des ganzen Lebens. Sie ist nicht unverbindliche, weltlose religiöse Erfahrung, sondern wird das ganze Leben in seinen wirtschaftlichen, politischen, sozialen, kultischen und privaten Dimensionen im Sinn der Liebe Gottes zu den Menschen entscheidend prägen und verwandeln. Nichts kann bleiben, wie es vor Jahwes Rettung war; nichts kann ausgespart oder an den Rand gedrängt werden.

Der Dekalog ist nicht zeitloses "GesetzÂ?, das man nur zu "erfüllen" bräuchte. Es werden uns Richtungen gewiesen, in denen das von Gott geschenkte Leben gesucht und bewahrt werden kann. Seine Weisungen müssen in jeder geschichtlichen Situation neu gefunden und gelebt werden.

Nicht der ist schon "im Recht", der stolz auf ein Nicht-Verhalten verweisen kann: ich habe nicht getötet, nicht falsch ausgesagt usw. Wichtig ist vielmehr: Achte und fördere ich Leben? Lebe ich so, dass es der Wahrheit und dem Vertrauen unter Menschen dient? Es geht also nicht nur negativ um das Vermeiden von "Sünden", sondern positiv um das verantwortungsbewusste und kreative Leben aus der rettenden Tat Gottes.

Der Dekalog ist also nicht eine Sache von gestern, sondern immer brandaktuell, er ist sozusagen der Schlüssel zur Freiheit - so wollen wir uns in diesem Jahr die ZEHN Gebote in diesem Sinne neu erschließen, weil ich denke, es gibt so viel Dinge, die unser miteinander fast zerstören: Klimawandel, Terrorismus, der Umsiechgreifende Rechtsextremismus in unserem Bundesland, das schnelle Vergessen des Unrechtsstaates DDR usw. usw.
Woraus sollen wir leben, was ist Richtschnur für mein Leben?

Jugendpfarrer Dietmar Wellenbrock

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