Oh, wie schön ist P…
... Panama. Könnte man meinen. Ja, sicherlich ist es das auch. Aber eine viel überraschende Kinderüberraschung gab's für die 22 angetretenen Ukraine-Fahrer der KJM gleich hier bei uns um die Ecke (quasi). Und das kam so.
Eines schönen Tages regnete es in der Ukraine. Das ist nichts Besonderes. Nachts regnete es auch und am nächsten Tag wieder! Der Regen sollte gar nicht mehr aufhören, die Flüsse schwollen an, selbst der übernächste Tag brachte keine Regenpause. Der übernächste Tag war der, an dem zwei gelbe Bullies und ein Auto mit besagter Besatzung Richtung Ukraine, mit Zwischenstopp in Krakau, im idyllischen Teterow vom Hof rollten. Sie hatten vor im Land des Krim-Sekts, der Ölpipelines und der orangenen Revolution den ukrainischen Jugendlichen der Partnergemeinde Ivano-Frankivsk, die sie im Sommer zuvor in Mecklenburg besucht hatten, einen supi-dupi Rückbesuch abzustatten - mit ihnen in den Karparten so richtig wandern zu gehen und dabei Land und Leute kennenzulernen.
Aber - erinnert ihr euch noch - das ferne Land, das Reiseziel unser tapferen Helden, war inzwischen ganz schön durchweicht. Als die fröhlichen Gefährten ihren ersten Stopp kurz nach Berlin einlegten, ereilte sie ein Anruf der ukrainischen Partner. Sie teilten uns mit, dass es bei Ihnen so nass sei, dass davon sogar schon Sachen und leider auch Menschen kaputt gegangen sind. Das war wohl der heikelste Moment, der Wendepunkt unser (noch jungen) Fahrt, die dramatische Zuspitzung der Situation und das schon nach ein einhalb Stunden. Wir hatten keine Gummistiefel mit - nicht für die Bullies, nicht für das Auto und erst recht nicht für uns. Daher konnten wird das Traumziel Ukraine vorerst aus unseren Köpfen streichen.
Und mit einem Mal war da ganz viel Platz für Neues, noch Unbenanntes, Abenteuerliches.
- Schwuppdiwupp, waren wir gedanklich nicht mehr im "fernen" Osten, sondern ganz real bei unserem vermeindlichen Zwischenziel: Krakau.
Oft und hoch gelobt, "die heimliche Hauptstadt Polens" und andere appetitanregende Phrasen schwallten uns daraufhin entgegen. Unsere Neugier war geweckt, da wir versuchen wollten länger als ursprünglich geplant in Krakau zu verweilen. Das freundliche Franziskanerkloster macht's möglich!
Als wir nun denn des frühen Abends in besagter Herberge aufschlugen, wischten wir uns schon vor dem modernen Gebäude die Augen: da standen überhaupt keine alten Mönche in Kutten, sondern junge Männer in kurzem Sportzeug - und von allen Seiten fuhren Autos und Motorräder auf den Klosterplatz, nach und nach verschwand eine richtige (Volleyball-) Mannschaft Spieler für Spieler hinter den Klostertüren. Waren wir hier überhaupt richtig? War das nicht doch bloß der örtliche Volleyballverein, von der allseits bekannten, polnischen Volleyballlegende Franziskus Prmeztov gegründet? Hatte der diese wunderbare Klostersporthalle gesponsort? Gibt es überhaupt eine polnische Volleyballlegende namens Franziskus Prmeztov? Danach ließen wir diesen ereignisreichen ersten Tag unser Odyssee bei der Aufnahme schmackhafter, warmer Nahrung im Herzen Krakaus ausklingen.
Der Anfang war gemacht. Da waren wir nun also - in Polen. Nach dem Frühstück, das wir in einem so großen, hallenden Saal zu uns nahmen, dass man ein Teleskop gebraucht hätte um sein Gegenüber zu sehen (Frühstücksunterhaltungen in Zeichensprache sind ja eh schon eine Herausforderung - aber das . . . war für Fortgeschrittene!) und um den linken und rechten Nachbarn bei einer gepflegten Frühstückskonservation per Megaphon deutlich besser verstanden hätte, trafen wir uns im hauseigenen Kapellchen (hübsch!) zur Vorstellungsrunde mit integrierter Morgenandacht. Danach (!) erst erfuhren wir ganz spontan jeden Tag auf's Neue was das heutige improvisierte Kultur- oder Aktivprogramm für uns bereit hielt.
Und das ging so: mit seinem ausgeprägten demagogischen Talent riss Stefan unsere Aufmerksamkeit an sich, indem er uns so einfach direkt ansprach. Er war ab jetzt unser Bildungs-, Kultur- und Sportminister. Dabei durfte er mittels eines 8 Jahre alten Polen-Reiseführers (wirklich nur rein "zufällig" Bestandteil Dietmars Reisegepäcks) die Aufgabe zu übernehmen uns zu Krakau-isieren. Irgendwie hat das die vier Tage über auch ziemlich spitzenmäßig, geradezu smooth geklappt. Wenn man sich erstmal in die Innenstadt durchgestaut hatte, tackerten sich unsere Augen automatisch an jedem liebevoll restaurierten Altstadthaus und Wahrzeichen dieser von den Kriegsgräueln des letzten Jahrhunderts äußerlich komplett verschont gebliebenen Stadt fest. Nicht unbegründet wird Krakau oft auf eine Stufe mit Prag, Wien und Budapest gestellt. Den Kultur-Big Mäck genossen wir auf dem Wawelhügel in Form der prunkvoll eingerichteten Krönungskathedrale und dem Wawelschloss. Ein Spiel war es uns nach ausgiebiger Betrachtung vorzustellen wie wir das Schloss als eigene Wohnstätte nutzen bzw. ausbauen würden. Den Nachmittag durften wir durch die Innenstadt schlendernd verbringen - und fühlten uns dabei spontan sehr wohl!
Ernste Ansprüche in unserem Kulturprogramm forderten uns auf, uns mit den sehr unerfreulichen, dunklen Kapiteln der deutschen Geschichte zu beschäftigen - auf subtile Art im jüdischen Viertel Krakaus und als direkte Konfrontation im Konzentrationslager Auschwitz / Auschwitz-Birkenau. Wenn gleich solch Erfahrung niemals schön sein kann, wurde sie von uns als äußerst wichtig empfunden.
Nach viereinhalb Tagen verließen wir Krakau mit Tränen in den Augen und Taschentüchern zum Ade-Winken in den Händen. Das stimmt natürlich nicht, aber wir hatten eine tolle Zeit in Krakau und blickten dem nächsten Abenteuer unserer Tour - "Berge" mit Spannung entgegen. Denn, wenn auch nicht in den Karparten, wandern wollten wir - klare Sache - trotzdem. Mit der Hilfe der Polnischkenntnisse unserer Mönche hatte unser Orga-Team (Stefan und Raphaela) tatsächlich noch eine Bleibe für uns im traditionsreichen und gut ausgebuchten Kurort Zakopane ergattert. Zakopane liegt im polnischen Teil der hohen Tatra, in etwa 200km südlich von Krakau gelegen, mitten im Tal, umgeben von Nationalpark, noch etwas Nationalpark und an einigen Stellen aber auch: Nationalpark. Zakopane ist sowohl als Wintersportstätte als auch im Sommer als Wandermekka Polens Urlaubsort Nummer Eins. Das Abenteuer Selbstversorgung lag vor uns und wurde bravourös (und lecker) gemeistert. Wir sind jedenfalls immer satt geworden - früher oder später. Meistens später
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Aber der eigentliche Erlebnisurlaub begann jetzt: mit dem Erkunden des kleinen, hübschen Städtchens, original polnischer Messe am Sonntag - doch vor allem und überhaupt mit unseren suuu-päää Wandertouren. Kein Bergkamm, kein Gipfel in unser Umgebung blieb unerklommen, auch wenn wir manchmal dabei ganz schön strapaziert wurden. Wandern ist Sport und spazieren ist nicht wandern.
Bis auf die Knochen durchnässt, halb schwimmend, halb stolpernd, aber uff jeden frierend bahnten wir uns Wege raus aus und runter von der Tatra, zurück ins Basislager. Dort mussten sich viele erstmal in aller Ruhe wieder regenerieren während andere immer noch vom Volleyballfieber aus dem Krakauer Kloster getrieben, sich sportlich betätigten. Besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen. Die wurden dann auch umgehend eingeleitet: Chilltag in Zakopane: Auf dem Programm stand das Erlebnisbad mit den langsamsten Wasserrutschen der Welt, die Antwort auf die hoch philosophische Frage "Wie viele Menschen passen wirklich in einem 6er-Whirlpool?" (wir schafften immerhin neun), den ersten binationalen Arschbomben-Contest (Sieg in der Nationenwertung: Deutschland souverän vor Polen) und/oder Bummeln gehen in der Innenstadt. Nach dem ersten, durchaus prägenden Outdoor-Schwimmunterricht (den Berg hinunter) war Wanderschuhkaufen bei uns ganz hoch im Kurs: mindestens 5Paar neue, wasserabweisende Wanderschuhe verstärkten ab jetzt unsere Gruppe.
Eine vermeindliche Wildwassertour auf dem polnisch-slowakischen Grenzfluss Dunajec tags darauf entpuppte sich als Sonnendeckenurlaub für 2 Stunden, teilweise mit touristischen Hinweisen zur Landschaft links und rechts des Ufers ...
Aufgrund unser großen Spontaneität gab es ansonsten jeden Tag ein vielfältiges Alternativprogramm: Kampfwandern für Unersättliche, Sportwandern für Interessierte, entspannt wandern für Eigentlich-nur-spazieren-wollende, durch die Stadt wandern des Ausgleichs wegen - oder im Bett bleiben, um später wieder Kraft zu wandern zu haben (einige hatten leider ein paar unnette Infekte).
Abschließende bleibt vielleicht noch zu bemerken, dass auch das Nachtleben Polens von "Fummelbunkern" bis hin zu "Schaumparties" und "Edel-Dissen" die gesamte Bandbreite zu bieten hat.
Wer (noch) mehr wissen will, ist ganz schön neugierig und hat die einmalige Chance unsere Postkarte aus Zakopane im Foyer des BTHs zu beschielen. Ganz treffend wurde dort zusammengefasst:
"Yo, Homies, danke für diese tighte Fahrt. Die hat voll geburnt! Wir sind so was von hyper die Berge hoch gecruist und runtergespeedet, das war soh smooth und chillig, dass wir lauter Schlümpfe und Vollpfosten überholt haben. Wer jetzt noch irgendetwas Negatives über Polen denkt, ist echt ein [evil] ungebildeter Xenophobiker."
Wem jetzt noch Insider-Begriffe wie "Oh Zarize ...", "Immer schön katholisch bleiben" und unser kongenialen Namensgebungen der Koch- und Abwaschliste fehlten (wer hat die eigentlich?), für den seien sie hiermit erwähnt.
So, mehr Inhalt auf den Bildern dazu!
Anne, eure Quotenevangele
Oh, wie schön ist Polen!

Artikel
hamma. und fast ungekürzt
wie haltet ihr das nur aus 
aber schnieke wär's die von der Redaktion geänderten Stellen gekennzeichnet zu wissen
voll fett geile story!
hast ja wirklich an fast alles gedacht. doch was ist mit unserem ultimativen, tighten kellnerinnencasting?? das ist doch wohl erwähnenswert.
oder unser 30cm eis?
naja aber wenn man hier alles aufschreiben sollte, stürzt wohl das internet ab!!
lg@all
Das hört sich nach jede Menge Spaß an. Ich wäre gerne dabei gewesen.