vom 3. August 2009 in Neues | Kommentar schreiben

Das letzte Einhorn??

Jugendpfarrer Dietmar Wellenbrock verabschiedet sich nach sechs Jahren im Jugendhaus

Dietmar nimmt AbschiedWie oft nach dem Sommer gilt es Abschied zu nehmen. Im Jugendhaus dreht sich das Karussell weiter. Schon im Juni hat sich Hecke (Philipp Heckmann) als Zivi verabschiedet - zum August folgt Zivi Johann Dettmann und gleich danach auch noch unsere FSJlerin Rebecca Bock. Dann und wann aber geht auch mal jemand, der hier sehr lange war. Zum 30.08.2009 verabschiedet sich unser Jugendpfarrer Dietmar Wellenbrock. Ein paar Antworten muss er jedoch noch hier lassen:
SH: Nach sechs Jahren als Jugendpfarrer für Mecklenburg verabschiedet man sich sicherlich nicht mit leeren Händen. Was nimmst du mit aus dieser Zeit?
DW: Ganz viele Gesichter! Das heißt, viele schöne Begegnungen und gemeinsame Erlebnisse mit Jugendlichen und ganz wichtig auch mit den Mitarbeitern hier im Jugend haus! Sehr gerne erinnere ich mich an den Weltjugendtag mit dem Weltfest 2005 hier im BTH, aber auch an die super Stimmung in Köln - besonders das beeindruckende Erlebnis beim Abschlussgottesdienst, wo wir über eine Million Menschen waren, die zum größten Teil die Nacht zuvor alle friedlich und zufrieden dichtaneinander gekuschelt im Freien nur mit Schlafsack und ISO-Matte übernachtet haben - einfach stark! Beeindruckend war auch das Miterleben unseres Musicalprojektes "TAGORAT"- wie es zunächst ganz ungewiss war, ob es überhaupt klappen wird, bis hin zur ersten Aufführung mit mehr als 60 Mitwirkenden zum BTH-Jubiläumim Mai 2005 - dieses Projekt ist für mich sehr nachwirkend und mutmachend, weil es zeigt, wenn eine gute Idee da ist, sich dann auch viele Personen finden, die mitmachen wollen.
In Dankbarkeit nehme ich auch das freiwillige Engagement von sovielen Jugendlichen in Mecklenburg mit, die bei jedem Event dabei waren und zum Gelingen beigetragen haben - das ist nicht selbstverständlich - an dieser Stelle noch einmal ein großes Dankeschön an die Jugendlichen - ohne Euch wären wir hier aufgeschmissen!
Was ich noch mitnehme und das ist eigentlich keine neue Erfahrung aber eine bestätigte, dass wir immer wieder und grade hier in Mecklenburg über den Tellerrand blicken müssen - will heißen, wir müssen uns innerlich und auch äußerlich bewegen und nicht mit dem zufrieden geben, was ist - deshalb waren mir z.B. die Osterfahrten nach Assisi oder Burgund/Taizé wichtig, denn dort konnten wir einen "Geist" erleben, der stark vom Glauben geprägt war und der uns in unseren Glauben, so meine ich, gestärkt hat. Ein wichtiger Blick über den Tellerrand ist mir auch die Begegnung mit Jugendlichen aus der Ukraine, die wir seit ca. 2007 immer wieder versuchen - hier wünsche ich mir eine langfristige Partnerschaft zwischen der KJM und den Jugendlichen aus Ivano-Frankiwsk; der Blick in den sogenannten "Osten" kann uns hier in der manchmal zu sehr konsumorientierten westlichen Welt helfen, eine andere Lebenseinstellung zu bekommen.
SH: Bestimmt war nicht wirklich alles rosig. Was lässt du hier gern zurück? Was hat dir nicht gefallen?
DW: "Nicht gefallen" hat mir so erst einmal nichts. Worüber ich mich geärgert habe, ist, dass manchmal unsere Angebote von Jugendlichen nicht angenommen wurden, dass somit Wochenendkurse ausgefallen sind. Und ein weiteres hat mich ein wenig ratlos gemacht: die Erfahrung, dass Jugendliche bei der Kursanmeldung bis zu letzt warten und sich eventuell ganz kurzfristig anmelden - das macht eine Kursplanung schwierig, denn wir wissen z.B. am Dienstag noch nicht, ober der Kurs am Freitag stattfinden wird; da wünschte ich mir von den Jugendlichen etwas mehr Entscheidungsfreude!
SH: Auch wenn ein Abschied viel mit der Zeit davor zusammenhängt, stellt sich doch immer die Frage nach dem, was kommen wird. Was wünscht du dir wie es im BTH weitergeht?
DW: Das hängt mit dem zusammen, was ich zuvor besagt habe und mit der Frage: Wie wird es uns gelingen, junge Menschen zu begeistern ins BTH - quasi in IHR Haus - zu kommen! Denn das wünsche ich dem BTH, dass es immer mehr ein Ort wird, wo Jugendliche sich begegnen - auch und gerade im Glauben, sich wohl fühlen und somit das Gefühl haben, "Zuhause" zu sein! Da müssen vielleicht auch neue Wege gegangen und neue Jugendliche angesprochen werden, die nicht in unseren Kirchengemeinden Zuhause sind - aber da habe ich eigentlich
keine Sorge, denn mit den Mitarbeitern und den zukünftigen Verantwortlichen Christoph und Emeka sind liebe Menschen im Haus, die sich auf die Jugendlichen freuen und für und mit den Jugendlichen etwas bewegen wollen. Also dem BTH stets ein volles Haus!
SH: Du verlässt als letzter Jugendpfarrer im bisherigen Sinne das Jugendhaus. Nach dir wird es eine Teilung der Aufgaben geben. Christoph kommt als Leiter der Jugendseelsorge und neuer Hausleiter, Emeka als Seelsorger. Was ist das für ein Gefühl, wenn man erfährt, dass jetzt zwei die Arbeit von einem machen werden?
DW: Naja, für mein Gewicht? Da müssen schon zwei kommen? :) Ja, das ist spannend - denn das gab es zuvor in Mecklenburg noch nicht - bisher war immer ein Priester der Leiter. Das ist spannend und zugleich eine riesige Chance mit vereinten Kräften neue Projekte mit und für Jugendliche zu initiieren - z. B. denke ich da an die Kooperation mit den Schulen: die Jugendlichen verbringen immer mehr Zeit an der Schule - hier könnte das BTH, was wir bereits in den letzten Jahren durch Christina Gentz schon gemacht haben, verstärkt mit den Schulen zusammentun und
Schülerprojekte im Hause durchführen. Oder andere Projekte - da werden den beiden gemeinsam mit Dir und Sandra schon gute Ideen einfallen.
SH: Wie wird deine nächste Station aussehen?
DW: Ja, nach sechs Jahren Teterow geht es wieder in eine Gemeinde - ich muss ehrlich zugeben und das schmälert jetzt nicht die Jahre als Jugendpfarrer: ich freue mich auf die neue Aufgabe als Pastor in der Gemeinde in Hamburg-Langenhorn! Ich war grad schon mal in Melle (bei Osnabrück), wo Jugendliche aus der Gemeinde für Kinder eine Ferienfreizeit anbieten - ca. 75 Kinder und 25 Gruppenleiter verbringen dort 10 Tage im Zeltlager - wir haben gemeinsam Gottesdienst gefeiert, und die Stimmung war super. Auch die bisherigen Begegnungen in der Gemeinde selbst waren sympathisch. Ich habe das Gefühl, wir werden gut miteinander Gemeinde sein! Der nächste Plan ist, anzukommen, viele Junge und Alte kennenzulernen und mit Ihnen gemeinsam als Christen zu leben, was das heißt, wird sich zeigen.
SH: Was wünschst du dir von den KJM-Jugendlichen? Was wünscht du dir für sie?
DW: Dass sie mich in Hamburg-Langenhorn (Tannenweg 24) besuchen! Naja, vielleicht nicht alle 8000 und nicht alle auf einmal, aber hin und wieder wäre das schön! Das Pfarrhaus liegt ja gleich neben dem Hamburger Flughafen, da ist es nicht weit, mal eben zu Fuß vorbeizuschauen. Und was wünsche ich ihnen? Dass sie selbstbewusst wie bisher sich in das Erzbistum einbringen, sooft wie möglich nach Teterow fahren und wenn sie mal Mecklenburg wegen Studium oder Beruf verlassen müssen, sich an die "gute alte Zeit" im BTH erinnern und sich sagen: Kirche war und ist super! Daher bleibe ich dabei und mach mit!
SH: Vielen Dank für die Antworten!
DW: Stefan, eines noch: die Jahre hier waren sehr schöne Jahre - sicherlich auch mit manchen Problemen, aber das gehört dazu. Deshalb möchte ich mich bei Euch Referenten für Eure guten Ideen und Euer Engagement mit und für die Jugendlichen bedanken. Im gleichem Atemzug gilt mein Dank allen Mitarbeitern des Hauses - oftmals im Hintergrund musstet Ihr manche Veranstaltung wuppen und mich vielleicht auch "ertragen" -
Dankeschön!

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